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In der Literatur gibt es viele Klassifizierungen von Antidepressiva. Sie umfassen sowohl rein chemische Gruppen, indikationsbezogene Unterteilungen als auch mechanismusorientierte Taxonomien. Die hier gewählte Einteilung kombiniert das etablierte ATC-System (Anatomical Therapeutic Chemical) der WHO mit einer neurowissenschaftlich fundierten Nomenklatur (NbN), die jeden Wirkstoff nach seinem primären pharmakologischen Zielmechanismus klassifiziert.
Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und umfasst auch Wirkstoffe, die derzeit in der EU (2025) nicht zugelassen sind. rowspan="4">Nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer
Johanniskrautextrakte
Hinweis: Viele neuere Wirkmechanismen von Antidepressiva werden in der Literatur auch als „atypische Antidepressiva“ bezeichnet.
Beispiele hierfür sind Substanzen wie Bupropion, Mirtazapin, Trazodon, Agomelatin und Vortioxetin. Dieser Begriff wird jedoch uneinheitlich verwendet und sollte daher vermieden werden. Die Klassifizierung nach molekularen Zielmechanismen ist im NbN-Ansatz klarer.
Trizyklische Antidepressiva haben ein sehr breites pharmakologisches Wirkungsspektrum.
Bei einmaliger oder kurzzeitiger Gabe hemmen sie die Wiederaufnahme von Monoaminen, Noradrenalin und Serotonin aus dem synaptischen Spalt, haben jedoch einen geringen Einfluss auf die Wiederaufnahme von Dopamin. Bei langfristiger Anwendung verändern sie Rezeptoren im ZNS (z. B. Senkung des Spiegels zentraler β-Rezeptoren, Aktivierung postsynaptischer α-Rezeptoren, Steigerung der GABAergen Aktivität im Frontalhirn).
Trizyklische Antidepressiva beeinflussen auch den Histaminspiegel in einigen Teilen des Gehirns.
Trizyklische Antidepressiva haben meist eine stimmungsaufhellende (thymoleptische) Wirkung. Spezifisch für diese Substanz sind libidosteigernde (thymeretische), hemmende oder beruhigende Eigenschaften.
Die anfängliche Steigerung des Antriebs kann zunehmend zu suizidalen Handlungen führen.
Die thymoleptische Wirkung tritt erst nach 2 bis 3 Wochen ein. Aufgrund ihrer ausgeprägten Nebenwirkungen hat die therapeutische Bedeutung trizyklischer Antidepressiva derzeit (2025) deutlich abgenommen.
Obwohl sie typischerweise nicht mehr als Erstlinientherapie bei Depressionen gelten, werden sie immer noch off-label eingesetzt, beispielsweise bei der Behandlung von Migräne, chronischen Schmerzen oder neuropathischen Schmerzen.
Die wichtigsten Vertreter sind:
Diese Substanzklasse hat eine stimmungsaufhellende und beruhigende Wirkung, indem sie die Wiederaufnahme von Noradrenalin hemmt und den H₁-Rezeptor blockiert.Zu den Wirkstoffen gehören:
Hinweis:Mianserin und Mirtazapin sind strukturell tetrazyklisch und haben ähnliche Wirkungen, werden hier jedoch in der Klasse NaSSA („noradrenerge und spezifisch serotonerge Antagonisten“) aufgeführt.
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erhöhen gezielt die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt. Sie haben eine mit trizyklischen Antidepressiva vergleichbare antidepressive Wirkung, zeichnen sich durch bessere Verträglichkeit und geringere Toxizität aus. Daher sind sie das Mittel der Wahl bei Depressionen, Angstzuständen und Zwangsstörungen.
Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Übelkeit und sexuelle Funktionsstörungen. Zu den SSRIs gehören:
Nicht-selektive MAO-Hemmer blockieren MAO-A und MAO-B, was zu deutlichen Wechselwirkungen (z. B. mit Tyramin) führt und strenge diätetische Maßnahmen erfordert.
Zu den Wirkstoffen gehören:
Reversibel selektive MAO-Hemmer hemmen selektiv MAO-A, wirken aktivierend und erfordern im Vergleich zu nicht-selektiven MAO-Hemmern nahezu keine diätetischen Einschränkungen. Vertreter sind:
Pflanzliche Antidepressiva haben eine milde antidepressive Wirkung und sind sehr gut verträglich.
Der wichtigste Vertreter ist:
Hinweis: Johanniskraut ist auch als homöopathisches und anthroposophisches Antidepressivum im ATC-Code (N06AX25) unter der Bezeichnung „Hypericum“ aufgeführt.
Andere Antidepressiva stellen eine heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Angriffspunkten dar.
Wirkstoffe können ein günstigeres Nebenwirkungsprofil aufweisen und werden auch bei besonderen Indikationen eingesetzt.
Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer kombinieren die Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin. Sie haben keine beruhigende Wirkung und können auch zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden.
Zu den SNRIs gehören:
Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer erhöhen den Noradrenalin- und Dopaminspiegel und werden auch zur Raucherentwöhnung und Gewichtsabnahme eingesetzt. Zu den NDRI-Medikamenten gehören:
Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer verhindern selektiv die Wiederaufnahme von Noradrenalin durch präsynaptische Nervenenden.
Sie haben in der Regel eine libidosteigernde und keine beruhigende Wirkung. Vertreter sind:
Serotonin-Antagonisten und Wiederaufnahmehemmer kombinieren eine Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme mit einem 5-HT₂-Antagonismus. Sie wirken meist beruhigend.
Zu den SARIs gehören:
Glutamat-Modulatoren modulieren das glutamaterge System auf ungewöhnliche Weise. Zu den Glutamatmodulatoren gehören:
NMDA-Rezeptorantagonisten blockieren NMDA-Rezeptoren und haben eine schnelle antidepressive Wirkung, insbesondere bei behandlungsresistenter Depression.
Repräsentativ sind:
Melatonerge Agonisten und 5-HT₂C-Antagonisten zeichnen sich durch ein relativ günstiges Stoffwechselprofil aus.
MASSA umfasst:
Partielle Agonisten und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kombinieren die Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme mit partiellen agonistischen Wirkungen an Serotoninrezeptoren und können die kognitive Funktion fördern. Zu den SPARIs gehören:
Noradrenerge und spezifische serotonerge Antagonisten blockieren präsynaptische α₂-adrenerge Rezeptoren und erhöhen dadurch die Freisetzung von Noradrenalin und Serotonin.
Sie wirken stark sedierend und sind nahezu frei von anticholinergen und kardiotoxischen Wirkungen. Zu den NaSSA-Mitgliedern gehören: