Vaginale Milchsäurebakterien
Vor mehr als hundert Jahren, im Jahr 1892, entdeckte der Gynäkologe Albert Döderlein (1860-1941) Laktobazillen (Milchsäurebakterien) im Vaginalsekret von Frauen. Diese Entdeckung war so wichtig, dass Bakterien nach ihm benannt wurden - Döderlein-Bakterien.
Heute wissen wir, dass die Vagina von einer Vielzahl von Mikroorganismen bewohnt wird.
Im Vergleich zum Darmmikrobiom ist das vaginale Mikrobiom viel weniger vielfältig und enthält etwa 250 verschiedene Bakterienarten. Milchsäurebakterien sind die dominierenden Bakterien in der Vagina und machen 90-95 % der sogenannten Döderleinflora aus.1,2
Eine starke Schutzbarriere aus Vaginalschleimhaut und Vaginalflora sorgt für eine Schutzbarriere, die Eindringlinge abwehrt und die Entwicklung von Krankheitserregern hemmt.
Es sind vor allem die Stoffwechselprodukte der Milchsäurebakterien, die auf vielfältige Weise Einfluss auf die Vaginalgesundheit haben:
®Milchsäure: Zellen der Vaginalschleimhaut geben Stoffe (Glykogen) an die Umgebung ab, die Laktobazillen in Milchsäure umwandeln. Dadurch entsteht ein sehr saures Vaginalmilieu mit einem pH-Wert von 3,8 bis 4,5 - nicht sehr attraktiv für Krankheitserreger, aber ideal für das Wachstum von Laktobazillen.
Milchsäure übersäuert nicht nur die Umgebung, sondern regt auch das vaginale Immunsystem an, aktiv gegen Eindringlinge zu kämpfen.3
®Bacterocine: Einige Arten von Milchsäurebakterien können kleine Proteine mit antibiotischer Wirkung (Bacterocine) produzieren.

Sie haben antibakterielle Eigenschaften. gegen Krankheitserreger wie S. aureus, E. coli, Klebsiella spp. oder Pilze.3
®Wasserstoffperoxid (H2O2): Obwohl Milchsäurebakterien nicht unbedingt Sauerstoff (O2) zum Leben benötigen, wandeln einige Lactobacillus-Stämme ihn in Wasserstoffperoxid um, ein antimikrobielles und desinfizierendes Mittel - wirksam gegen pathogene Bakterien und Hefen Pilze.4
®Biotenside: Viele Milchsäurebakterien produzieren weitere wichtige Stoffwechselprodukte mit antimikrobieller Wirkung.
Biotenside verhindern gezielt die Anlagerung von Krankheitserregern und die Bildung schädlicher Biofilme.4
Gesunde Vaginalflora: ständiger Wandel
Die Vaginalflora (also das vaginale Mikrobiom) ist äußerst empfindlich und verändert sich im Laufe des Lebens einer gesunden Frau. Beispielsweise beeinflusst das weibliche Sexualhormon Östrogen die Anzahl der Laktobazillen, indem es Zellen in der Vaginalschleimhaut aktiviert.
Nach der Menstruation ist der Östrogenspiegel niedriger, wodurch weniger wertvolle Hilfsstoffe in der Vagina nachweisbar sind. Durch den zyklusbedingten Anstieg des Östrogenspiegels vermehren sich auch die nützlichen Laktobazillen wieder. Das bringt ständige Höhen und Tiefen mit sich, was normal ist.